München, 1961: Paula hat erreicht, wovon viele Frauen nur träumen: Sie ist Ärztin an einer renommierten Frauenklinik - ein hart erkämpfter Erfolg in einer von Männern dominierten Welt. Doch als sie sich um eine begehrte Facharztstelle bewirbt, wird ein männlicher Kollege bevorzugt - trotz ihrer überragenden Qualifikationen. Tief enttäuscht beginnt Paula, ihre Zukunft in München infrage zu stellen.
Als die Nachricht vom Tod ihres Großvaters eintrifft, beschließt sie, gemeinsam mit ihrer Mutter Johanna zur Beerdigung in deren Südtiroler Heimatdorf zu reisen. Dort, umgeben von den schroffen Gipfeln der Dolomiten, stößt Paula auf eine Mauer aus Schweigen - und auf ein Geflecht aus Vorurteilen und schmerzhaften Erinnerungen, das bis tief in die Vergangenheit reicht.
Während Johanna gezwungen ist, sich längst verdrängten Erlebnissen zu stellen, begibt sich Paula auf eine Reise zu ihren eigenen Wurzeln - und deckt ein Geheimnis auf, das ihr Leben für immer verändert.
Zusammenfassung und Meinung:
Wir fahren mit Paula und Johanna nach Südtirol. Wir schreiben das Jahr 1961, Paula versucht sich in der männerdominierten Welt der Medizin als Ärztin in München durchzusetzen. Ihre Mutter lebt immer noch in einer winzigen Nachkriegswohnung und will eigentlich nicht in ihre oberitalienische Heimat zurück. Dort angekommen, merkt Paula schnell, dass sie nicht willkommen sind. Als Paula versucht mehr über ihre Geschichte und die Vergangenheit herauszufinden verschließt sich ihre Mutter noch mehr als sie es eh schon all die Jahre macht.
So sieht sie keine andere Möglichkeit als selbst nachzuforschen, zusammen mit dem Nachbarn Toni, der ihr als Dolmetscher hilft. Bald stellt sich heraus, dass da soviel mehr hinter dem Schweigen der Mutter und dem Streit innerhalb der Familie steckt, als Paula je für möglich gehalten hätte.
Auch sind die Fronten zwischen den Italienern und den Südtirolern nach wie vor verhärtet.
Zugleich reisen wir in der Zeit ins Jahr 1921 zurück. Mussolini italienisiert mit harter Hand Südtirol. Die Einheimischen wehren sich wo es geht. Vor allem Johannas Bruder und Vater verweigern ihren Gehorsam. Johanna versucht als Untergrundlehrerin Kinder in Deutsch zu unterrichten. Nebenher muss sich sich nach dem frühen Tod der Mutter um Hof, Haushalt, Vater und Geschwister kümmern. Sie träumt von einem besseren Leben, aber ob das in Erfüllung gehen kann für eine Südtirolerin? Die Einheimischen werden unterdrückt, bei Arbeitsstellen übergangen und gegängelt wo es nur geht.
Ich fand das Setting im Südtirol der 20er und 60er Jahre sehr interessant. Ich wusste tatsächlich nicht wie sehr die Einheimischen von den Italienern unterdrückt wurden, wie hart Mussolinis Südtirolpolitik war. Auch dass es in den 60ern und 70ern immer noch Befreiungskämpfer gab war mir neu. So mag ich ein Buch, gute Unterhaltung und nebenbei noch was lernen.
Der Schreibstil ist angenehm, lässt sich flüssig lesen. Und bei jedem Kapitel steht dabei, wann und wo man ist. Mit Paula hab ich mir am Anfang schwer getan warm zu werden, sie war mir etwas unnahbar. Mit jeder Seite konnte ich mich aber mehr in sie hineinversetzen und zum Schluß hab ich mich ihr sehr verbunden gefühlt.
Alles in allem ein schönes Buch das ich gerne empfehle.
Ein Stern Abzug für die enthaltenen Rechtschreib- und inhaltlichen Fehler.
Danke für das Rezensionsexemplar.
4 Sterne
ASIN B0D9DP69CV
ISBN-10 394761036X
Verlag: Bastei-Lübbe

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